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Musik von Ernst von Dohnányi im zweiten Kammerkonzert

Autor // Matthias Hain
Veröffentlicht in // Allgemein

Die Kulturgeschichte ist voller Namen, bei deren Nennung sich sofort eindeutige Assoziationen einstellen, die jedoch häufig selektiv sind. Bei Bach denkt man an Johann Sebastian und wohl erst in zweiter Linie an die anderen Genies, die diesen Namen tragen, wie dessen ebenfalls komponierende Söhne Carl Philipp Emanuel oder Wilhelm Friedemann. Mozart ist natürlich verknüpft mit Wolfgang Amadeus und nicht mit seinem Vater Leopold, der jedoch zu seiner Zeit als Pädagoge dank seiner berühmten “Violinschule” hoch angesehen war. Und Michelangelo dürfte für die meisten nur als genialer Maler, Bildhauer und Baumeister bekannt sein, weniger jedoch als durchaus achtbarer Dichter. Ganz ähnlich liegt der Fall bei der Familie derer von Dohnányi.

Man kennt die Brüder Christoph, seines Zeichens Dirigent, und Klaus, ehemaliger Erster Bürgermeister von Hamburg. Seltener kommt die Sprache auf deren Vater Hans, der 1943 ein Attentat auf Hitler versuchte und 1945 hingerichtet wurde. Heute fast vergessen ist der aus Ungarn stammende Großvater Ernst (Ernő) von Dohnányi, der zu seiner Zeit ein berühmter Komponist, Pianist, Dirigent und Lehrer gewesen ist und dessen Bedeutung für das ungarische Musikleben am Beginn des 20. Jahrhunderts nicht überschätzt werden kann. Sein Klavierquintett Nr. 1 ist nun im Kammerkonzert der Bamberger Symphoniker zu erleben.

Dohnanyi brachte es als Autodidakt zu unglaublichem Können. Hans Richter, der Uraufführungsdirigent des “Ring” bei den ersten Bayreuther Festspielen, konzertierte 1898 mit dem 21-jährigen Pianisten in London – und machte ihn über Nacht berühmt. Bereits zwei Jahre zuvor hatte Dohnányi sein Klavierquintett e-Moll vollendet, dem er, nach etlichen Jugendwerken, die Opuszahl 1 gab und das von keinem Geringeren als Johannes Brahms hoch gelobt wurde.

Bis zur Jahrhundertwende hatte sich Dohnányi als der größte ungarische Pianist und Komponist seit Franz Liszt etabliert. In seinen frühen Werken noch beeinflusst vom Stil Schumanns und Brahms’, fand er später zu einem eigenen Idiom. Stets orientierte er seine Musiksprache jedoch an den großen Vorbildern der Vergangenheit. Er wollte keine radikal neuen Wege gehen, sondern alte Formen mit neuem Leben erfüllen. Besonders auf dem Gebiet der Kammermusik gab es wenige nach Johannes Brahms, die es ihm an Erfindungsreichtum, Verspieltheit, lyrischer Romantik und nicht zuletzt Humor – einem seiner Markenzeichen – gleichtun konnten. Als Dirigent erkannte er das Genie des seit Kindheit mit ihm befreundeten Béla Bartók sehr viel früher als andere, und als Lehrer prägte er solche herausragenden Musiker wie den Pianisten Géza Anda oder den Dirigenten Georg Solti.

Kammerkonzert der Bamberger Symphoniker – Bayerische Staatsphilharmonie

Sonntag | 25.11.2012 | 17 Uhr
Konzerthalle Bamberg | Joseph-Keilberth-Saal

Ernst von Dohnányi
Klavierquintett Nr. 1 e-Moll op. 1

Johannes Brahms
Klavierquintett f-Moll op. 34

Mayra Budagjan | Violine
Geworg Budagjan | Violine
Branko Kabadaic | Viola
Matthias Ranft | Violoncello
Tomoko Ogasawara | Klavier a.G.

Tickets:
An der Abendkasse oder im Vorverkauf beim bvd Kartenservice, Lange Straße 22, 96047 Bamberg, Tel. (0951) 9808220

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