Okt
23

Japan-Tournee mit Ehrendirigent Herbert Blomstedt

Autor // Matthias Hain
Veröffentlicht in // Allgemein, Auf Tour, Herbert Blomstedt

Japan nimmt als Ziel von Gastspielreisen einen besonderen Platz in der Geschichte der Bamberger Symphoniker ein. Im Jahr 1968 reiste das Orchester erstmals nach Japan, das nach Deutschland, Österreich und der Schweiz das am häufigsten besuchte Land ist. Nicht weniger als zwölf Japan-Tourneen mit insgesamt 106 Konzerten verzeichnet die Chronik der Bamberger Symphoniker bislang. Zu einem besonderen Jubiläum kam es im Mai 2006, als in der Suntory Hall Tokyo Chefdirigent Jonathan Nott und die Bamberger Symphoniker ihr 100. Konzert in Japan gaben. Anfang November 2012 folgt nun die 13. Reise in das Land der aufgehenden Sonne – und erstmals übernimmt Ehrendirigent Herbert Blomstedt dabei die musikalische Leitung.

Herbert Blomstedt in sichtlich guter Laune bei den Vorproben in Bamberg (© Peter Eberts)

Herbert Blomstedt in sichtlich guter Laune bei den Proben in Bamberg (© Peter Eberts)

“Japan ist eines meiner bevorzugten Länder, dessen großartige Menschen und überwältigende Naturschönheiten mich seit vierzig Jahren fesseln”, sagt Blomstedt, der im Juli dieses Jahres seinen 85. Geburtstag feierte. Acht Konzerte in sieben Metropolen sieht der Terminplan vor, zweimal ist die Suntory Hall in Tokyo das Ziel dieser ausgedehnten Tournee. Auf dem Programm stehen Werke jener Komponisten, für die deutsche Orchester in Japan besonders geschätzt werden und die auch die musikalische Heimat Herbert Blomstedts bilden: Mozart, Beethoven, Bruckner.

Herbert Blomstedt spielt in der Geschichte der Bamberger Symphoniker eine besondere Rolle: Seit seinem Einstand im Jahr 1982 hat er die Bamberger Symphoniker europaweit in über 120 Konzerten dirigiert und über die Jahrzehnte hinweg durch seine herausragende Musikalität, seine fachliche Kompetenz und seinen großen Erfahrungsschatz geprägt. Im Jahre 2006 schließlich haben die Bamberger Symphoniker ihn zu ihrem Ehrendirigenten auf Lebenszeit ernannt.

Die verschiedenen Programme umfassen Ludwig van Beethovens Dritte und Siebte Symphonie, Anton Bruckners Vierte Symphonie sowie das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 17 von Wolfgang Amadeus Mozart. “Sie sind Giganten des menschlichen Geistes”, sagt Herbert Blomstedt, “und ihre Botschaft von Schönheit, Frieden und Freiheit spricht zu allen Nationen. Sie hat die Kraft, uns zu verändern und den rechten Weg zu zeigen. Wir können dafür nur dankbar sein.”

Neben den offiziellen Tournee-Konzerten haben sich einige Mitglieder der Bamberger Symphoniker zu einer besonderen Geste entschlossen: Im Laufe der Jahrzehnte haben sich die Bamberger Symphoniker nicht nur in die Herzen des japanischen Publikums gespielt, sondern zum Teil auch private Freundschaften mit Musikern oder Musikliebhabern in Japan geschlossen – über Kontinente hinweg! Vor diesem Hintergrund hat die furchtbare Tsunami-Katastrophe, die das Land vor eineinhalb Jahren heimsuchte, gerade unter den Mitgliedern der Bamberger Symphoniker große Bestürzung ausgelöst. Damals, im April 2011, organisierten die Bamberger Symphoniker spontan ein Benefizkonzert in Bamberg, dessen Erlös dem notleidenden Philharmonischen Orchester in Sendai zugute kam.

Es war naheliegend, die ausgedehnte Tournee auch für eine persönliche Geste der Verbundenheit mit der notleidenden Bevölkerung zu nutzen. Über den japanischen Freund eines der Musiker der Bamberger Symphoniker erfuhr das Orchester von dem Schicksal einer der am schwersten verwüsteten Städte: Onagawa. Spontan fanden sich mehrere Musiker des Orchesters zusammen, um an einem der freien Tage der Tournee dort ein Kammerkonzert zu spielen – selbstverständlich ohne Honorar und bei freiem Eintritt für alle Interessierten. Diese Idee gefiel einem Mitglied des „Vereins der Freunde der Bamberger Symphoniker“ so gut, dass er sich bereit erklärte, sich an den nicht geringen Kosten für die Anreise der Musiker zu beteiligen – auch dies ein weiterer Beweis für die enge musikalische Verbundenheit zwischen Bamberg und Japan. Ein herzlicher Dank geht darüber hinaus an die Deutsche Botschaft in Tokyo: Als die Musiker ihr nicht ganz alltägliches und zudem privat organisiertes Projekt den Mitarbeitern der höchsten diplomatischen Vertretung der Bundesrepublik in Japan vorstellten, erhielten sie die spontane Zusage einer finanziellen und medialen Unterstützung.

Das ca. 70-minütige Konzert mit Werken von Carl Maria von Weber, Wolfgang Amadeus Mozart und Antonin Dvorak soll bewusst keine Benefizveranstaltung sein, sondern eine freundschaftliche Geste, ein Gruß deutscher Musiker an die in Onagawa immer noch unter schwierigsten Bedingungen Lebenden, um zu zeigen, dass man sie nicht vergessen hat. Vielleicht hilft ihnen die Musik, für kurze Zeit den bedrückenden Alltag hinter sich zu lassen und die unbeschreibliche Katastrophe für ein paar Augenblicke zu vergessen.

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