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Organist in residence: Gunther Rost

Autor // Matthias Hain
Veröffentlicht in // Allgemein

Gunter Rost (© Sorenti)Er ist einer der profiliertesten deutschen Organisten und bei den Bamberger Symphonikern kein Unbekannter: Gunther Rost. Er stammt aus Würzburg, erhielt international bereits über ein Dutzend Preise und Auszeichnungen als Konzertorganist, hat eine Professur in Graz inne, unterrichtet daneben aber auch in London, Warschau oder Moskau und fungiert regelmäßig als Juror bei den renommiertesten Orgelwettbewerben. Bereits zwei CDs hat er für das Label Oehms Classics mit der Bayerischen Staatsphilharmonie aufgenommen. Mit Beginn der Saison 2012/2013 wird seine Bindung an “die Bamberger” noch ein wenig enger werden: Als “Organist-in-residence” ist er ab dieser Spielzeit Kurator der Orgelreihe. Für seine erste Saison hat er eine Reihe hochkarätiger Solisten nach Bamberg eingeladen. Den Auftakt macht am 14. Oktober 2012 einer der größten französischen Organisten unserer Zeit: Jean Guillou.

Lieber Herr Rost, wie kamen Sie zur Musik und zu Ihrem Instrument?

Mein Vater spielte ausgezeichnet Klavier und auch etwas Orgel – das hat mich wohl angeregt…

Was fasziniert Sie an der Orgel besonders?

Die Orgel ist ein Orchester, das sich mir zum Proben unbegrenzt zur Verfügung stellt – eigentlich seltsam entgegenkommend von der Königin der Instrumente.

Wenn Sie nicht Orgel spielen würden, welches andere Instrument würde Sie dann reizen?

Schwierig – vielleicht wäre das Dirigieren eines Orchesters (wenn genug Zeit zum Proben ist) einmal reizvoll.

Die Jann-Orgel im Joseph-Keilberth-Saal der Bamberger Konzerthalle ist Ihnen mittlerweile bestens vertraut. Andererseits kennen Sie von Ihren internationalen Gastspielen unzählige Orgeln weltweit. Vor dem Hintergrund dieser starken Konkurrenz – wie beurteilen Sie das Bamberger Instrument?

Natürlich gibt es viele andere anziehende Erscheinungsformen der Instrumentenkönigin, aber in Bamberg gibt es eben eine Besonderheit: Eine nur knappe akustische Umhüllung – der Saal ist relativ trocken – „inszeniert“ die Orgel optimal, nichts muss verdeckt werden, sie ist schön. Anders beleuchtet: Wir kennen Orgel fast ausschließlich aus der Überakustik der Kirchen, in der ein hochdifferenziertes Spiel in der Regel nicht beim Publikum ankommen kann, Kontraste ineinander verschwimmen und eben auch die Qualitäten des Instrumentes versteckt werden können.

Gibt es ein Repertoire, für das die Jann-Orgel besonders geeignet ist?

Die Orgel ist so vielseitig, dass eigentlich alle Stilbereiche sehr ausdrucksstark interpretiert werden können. Meiner Meinung nach ist gerade die Stärke dieses Instruments seine Vielseitigkeit. Es ist gegenüber den verschiedenen ästhetischen Strömungen relativ offen und neutral aufgestellt. Gemeinsam mit dem Instrument kann man sich auf einen Bach, einen Reger, einen Messiaen einlassen, entsprechend den Klang einfärben, ohne dass in einem Bereich das Instrument gegen den Strich gebürstet wird.

Welche ist Ihre Lieblingsmusik bzw. wer ist Ihr Favorit unter den Komponisten im allgemeinen und auf dem Gebiet der Orgelmusik im besonderen?

In beiden Fällen eindeutig Johann Sebastian Bach!

Sie studierten u.a. bei der berühmten Marie-Claire Alain in Paris. Wenn man Ihre erste Spielzeit als Kurator der Orgelreihe betrachtet, fallen die zahlreichen Werke französischer Komponisten ins Auge. Dazu kommt die Einladung von Jean Guillou, einem der Grandseigneurs unter französischen Organisten. Haben Sie ein besonderes Faible für die Orgelmusik Frankreichs?

Mit der Romantik wurde Frankreich zunehmend zum Orgelland par excellence. Man kommt an den Kompositionen von Franck, Widor, Vierne, Dupré, Alain, Duruflé, Guillou etc. einfach nicht vorbei. Diese Akkumulation an Komponisten und Werken, die auf der Orgel etwas vorangebracht haben, ist einzigartig.

Was zeichnet die französische Orgelliteratur Ihrer Meinung nach aus?

Das Instrument darf dort relativ emanzipiert auftreten, es wurden neue Themen für die Orgel erschlossen. Ich persönlich sehe ja ohnehin das Hauptproblem darin, dass der Orgel gewissermaßen eine “Nonnentracht” übergestülpt wurde.

Haben Sie unter den Organisten persönliche Vorbilder, die Sie geprägt haben, die Sie bewundern?

Weniger – aber Glenn Gould soll ja gelegentlich Orgel gespielt haben…

Cameron Carpenter (© Michael Hart)

Cameron Carpenter (© Michael Hart)

Die Interpreten, die Sie in Ihrer ersten Spielzeit als Kurator der Orgelreihe eingeladen haben, könnten unterschiedlicher nicht sein – vom Doyen der französischen Organisten Jean Guillou über Ihr Konzert zusammen mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks bis hin zum jungen amerikanischen „Wilden“ Cameron Carpenter. Was erwartet das Publikum in der kommenden Spielzeit?

Gerade die scheinbaren Gegensätze Guillou und Carpenter haben ja der Orgel sehr viel Publikum erschlossen und für viel Diskussion gesorgt. Und wer sich ernsthaft und offen mit den aufgeworfenen Fragen auseinandersetzt – „Ist das Interpretation?“ „Das ist doch nicht historisch?!“ „Ziemt sich das auf der Orgel?“ – wird Gemeinsamkeiten feststellen können und überhaupt weiter kommen. In diesem Kontext ist das Programm meines eigenen Konzertes geradezu „konservativ“… (lacht)

Gibt es ein Konzert, auf das Sie sich – von Ihrem eigenen einmal abgesehen – besonders freuen?

Nein, alle werden sehr spannend!

Was gehört für Sie überhaupt zu einem perfekten Konzert?

Dass die Besucherinnen danach hysterisch die Künstlergarderobe stürmen… (schmunzelt)

Welches war Ihr schönstes Konzerterlebnis?

Im Ernst: Bachs Johannespassion, aufgeführt von einem fränkischen Dorfchor – der Abend hat mich tief ergriffen.

An welchem Ort möchten Sie gern einmal ein Konzert geben?

Wirklich im Ernst: In einem Schwimmbad.

Was machen Sie, wenn Sie sich einmal nicht mit Musik beschäftigen?

… meiner Frau auf die Nerven gehen.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?

Samy Molcho: Körpersprache

Was ist Ihr Traumziel für den Urlaub?

Dort, wo weit und breit keine Orgel ist…

Welche Persönlichkeiten aus der Geschichte würden Sie gerne einmal zu sich nach Hause einladen und was würden Sie aus diesem Anlass kochen?

Zuerst einmal Kleopatra. Es gäbe dann Perlen…

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Ich hoffe alle. Aber mit denen, die ich bei mir selbst verdrängt habe, wird’s leider gelegentlich kritisch.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Sexappeal, sonst helfen die eingelegten Perlen auch nicht weiter… (lacht)

Lieber Herr Rost, vielen Dank für das Gespräch!


1. Orgelkonzert der Saison 2012/2013:

14. Oktober 2012 | 17.00 Uhr
Konzerthalle Bamberg | Joseph-Keilberth-Saal

Solist: Jean Guillou

Johann Sebastian Bach:
Concerto D-Dur BWV 594 nach Antonio Vivaldis Concerto “Grosso Mogul” RV 208

Jean Guillou:
Säya (L’Oiseau bleu)

Franz Liszt:
Orpheus, Symphonische Dichtung Nr. 4 (Bearbeitung von Jean Guillou)

Modest Mussorgsky:
Bilder einer Ausstellung (Bearbeitung von Jean Guillou)

Reinhören? Jean Guillou spielt Franz Liszts Symphonische Dichtung Nr. 4 “Orpheus”.

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Alle Informationen über unsere Orgelreihe können Sie sich hier als pdf-Dokument herunterladen.

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