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Musikalischer Weltbürger – Herbert Blomstedt zum 85.

Autor // Matthias Hain
Veröffentlicht in // Allgemein, Dirigenten, Herbert Blomstedt

Seit seinem Einstand im Jahr 1982 hat er die Bamberger Symphoniker – Bayerische Staatsphilharmonie in ganz Europa in über 120 Konzerten dirigiert, im Jahre 2006 schließlich haben die Bamberger Symphoniker ihn zu ihrem Ehrendirigenten ernannt: Herbert Blomstedt. Am 11. Juli feiert er nun seinen 85. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch, Maestro!

Als im November 2010 der Verein der Freunde der Bamberger Symphoniker Herbert Blomstedt die Goldene Ehrennadel in Anerkennung seiner jahrzehntelangen, herausragenden Arbeit mit den Bamberger Symphonikern verlieh, brachte der damalige Laudator, der ehemalige bayerische Wissenschafts- und Kunstminister Thomas Goppel, auf den Punkt, was Herbert Blomstedt auszeichnet: “sein völliger Mangel an Eitelkeit, seine unbedingte Integrität, sein Respekt vor den Absichten des Komponisten, seine Demut vor der Musik und seine tiefe gelebte Religiosität”. Herbert Blomstedt hat die Bamberger Symphoniker über die Jahrzehnte hinweg durch seine herausragende Musikalität, seine fachliche Kompetenz und seinen großen Erfahrungsschatz geprägt. Mit seiner hohen Menschlichkeit spornt er Musiker nicht nur zu höchster Konzentration und Leistung an, sondern sorgt für jenes zwischenmenschliche Klima, das die Arbeit und die Konzerte mit ihm nicht nur künstlerisch zu Erlebnissen macht. Seinem “Ehrenorchester” schrieb er einmal ins Stammbuch, was gleichermaßen auch für ihn selbst gilt: “Es wird hier nicht nur mit großer technischer Präzision gespielt, sondern mit einer Gelassenheit, Natürlichkeit und Frische, die heute immer seltener wird. Und in allem schwingt ein Unterton von Glück und Dankbarkeit mit. Dankbarkeit darüber, dass es solche Musik, alt und neu, gibt und dass gerade diese auserwählten Menschen, die sich gegenseitig inspirieren und befruchten können, zusammengefunden haben, um sie aufzuführen. Musik berührt unsere Seele und macht uns erst so recht zu Menschen.”

Herbert Blomstedt (© Thomas Müller)

Herbert Blomstedt (© Thomas Müller)

Gelassenheit, Natürlichkeit, Frische – dies gilt für den Menschen Herbert Blomstedt wie für seinen Musizierstil. Kritiker rund um den Globus heben an seinen Konzerten vor allem immer wieder eines hervor: die absolute Stringenz der Interpretation, der Eindruck des “So-und-nicht-anders”. Insofern verspricht die kommende Saison ein Höhepunkt in der Zusammenarbeit mit Herbert Blomstedt zu werden: Mit ihm sind die Bamberger Symphoniker im November auf einer zweiwöchigen Tournee in Japan zu erleben. Es ist die 13. Gastspielreise des Orchesters ins “Land der aufgehenden Sonne”, aber das erste Mal mit Herbert Blomstedt. Auf dem Programm stehen dann Werke jener Komponisten, die die musikalische Heimat Blomstedts bilden: Mozart, Beethoven, Bruckner.

Seine Ausbildung erhielt Herbert Blomstedt, der in den USA als Sohn schwedischer Eltern geboren wurde, am Königlichen Konservatorium in Stockholm und an der Universität Uppsala. Später studierte er Dirigieren an der Juilliard School of Music in New York, zeitgenössische Musik in Darmstadt sowie Renaissance- und Barockmusik an der Schola Cantorum in Basel und arbeitete unter Igor Markevich in Salzburg und Leonard Bernstein in Tanglewood. 1954 debütierte er als Dirigent mit dem Stockholmer Philharmonischen Orchester und leitete später als Chefdirigent so bedeutende skandinavische Orchester wie das Oslo Philharmonic Orchestra und das Dänische und Schwedische Radio-Sinfonieorchester, letzteres bis 1983. Von 1975 bis 1985 war er Chefdirigent der Staatskapelle Dresden, danach Music Director des San Francisco Symphony Orchestra. Von 1996 bis 1998 wirkte er als Chefdirigent des NDR-Sinfonieorchesters in Hamburg, danach leitete er bis 2005 als 18. Gewandhauskapellmeister das Gewandhausorchester Leipzig, dem er ebenfalls als Ehrendirigent weiterhin verbunden ist.

Unzählige Schallplattenaufnahmen u.a. mit der Staatskapelle Dresden, dem Dänischen Radio-Sinfonieorchester und dem San Francisco Symphony Orchestra – darunter viele preisgekrönte und beispielhafte Einspielungen – hat er im Laufe seines Lebens vorgelegt. Er ist ein gewähltes Mitglied der Königlich-Schwedischen Musikakademie und mehrfacher Ehrendoktor. Im Herbst 2003 erhielt er das “Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland”.

Nach Blomstedts letztem Konzert in Bamberg im vergangenen Mai, bei dem er unter anderem Bruckners Neunte Symphonie mit den Bamberger Symphonikern musizierte, schrieb die Presse von einem “ganz großen Drama”: “Wie da Wanderseligkeit, militärisch Grelles, flehende Gebete, triumphale Fanfaren, liedhafte Innigkeit, ironisches Flackern in hundert Klangfarben und tausend musikalischen Einzelgesten vorüberzogen, das erinnerte an die verwirrende Vielfalt eines langen Menschenlebens, wie es Blomstedt selbst hinter sich hat.” Ad multos annos, Maestro!

Interview mit Herbert Blomstedt zur bevorstehenden Japan-Tournee mit den Bamberger Symphonikern

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