Mrz
21

Eugen Jochum zum Gedenken

Autor // Torsten Blaich
Veröffentlicht in // Allgemein

“Die Bamberger zählen zu den ersten Orchestern Europas”, schwärmte Eugen Jochum – und er selbst hatte entscheidenden Anteil daran. Als jahrzehntelanger Mentor des Orchesters und erster Ehrendirigent in Bamberg ist er eine der prägenden Persönlichkeiten in der Historie der Bamberger Symphoniker. Am 26. März 2012 jährt sich sein Todestag zum 25. Mal.

Seinen Einstand am Symphonikerpult gab er 1955 bei Gastspielen des Orchesters in Barcelona. In den Folgejahren war Eugen Jochum, zu jener Zeit längst weltweit gefragt, immer wieder als Gastdirigent in Bamberg zu erleben, ehe die künstlerischen “Bande” zwischen ihm und dem Orchester noch enger geknüpft wurden: Als der langjährige Bamberger Chefdirigent Joseph Keilberth 1968 ganz plötzlich verstarb, war es Ehrensache für Eugen Jochum, “bis zur Regelung der durch den Tod von Prof. Joseph Keilberth freigewordenen Position des Chefdirigenten die künstlerische Betreuung der Bamberger Symphoniker … zu übernehmen und wichtige Konzerte des Orchesters im In- und Ausland zu dirigieren”. Sein Engagement und seine tiefe, freundschaftliche Verbundenheit mit den Bamberger Symphonikern sorgten dafür, die künstlerische Kontinuität des Klangkörpers zu wahren und die Fortführung der von Joseph Keilberth begonnenen Arbeit zu gewährleisten.

Gemeinsam reisten Eugen Jochum und das Orchester – mitunter in Serien von über 20 Konzerten am Stück – kreuz und quer durch Deutschland: in die großen Metropolen Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Hannover oder Köln, aber auch nach Hildesheim, Marburg, Celle, Landau, Leer, Aachen und Bad Godesberg. Luxemburg, die Schweiz, Österreich, Frankreich, Belgien und Liechtenstein waren ebenfalls das Ziel von Gastspielen unter Eugen Jochum. Eine USA-Tournee mit ihm am Pult führte 1973 in 19 Konzerten mehr als 40.000 Zuhörer in die Konzertsäle. Höhepunkt war der Auftritt in der Carnegie Hall: Die “New York Times” bescheinigte den Bamberger Symphonikern anschließend, ein “Orchester von Weltgeltung” zu sein. 1982 folgte eine Japan-Reise mit Eugen Jochum, 1983 eine weitere Konzertreise unter seiner Leitung in die USA – mit Auftritten u.a. in New York, Washington D.C., Philadelphia und Boston.

Eugen Jochum (© Werner Neumeister)

Eugen Jochum (© Werner Neumeister)

Wie Joseph Keilberth, Hans Knappertsbusch, Clemens Krauss oder Rudolf Kempe war der gebürtige Schwabe Jochum fest in der klassisch-romantischen Tradition verwurzelt. Keiner dirigierte die Musik Bruckners und besonders dessen überwältigende, monumentale Achte so oft bei den Bamberger Symphonikern wie er – in Bamberg und in aller Welt. Großartiges Dokument von Eugen Jochums einzigartigem Bruckner-Verständnis ist die Aufnahme der Achten, die 1982 als Live-Mitschnitt seines Auftritts mit den Bamberger Symphonikern in Tokio entstand. Aber auch seine Konzerte mit “den Bambergern” und den Werken Bruckners im Stift St. Florian, der Ruhestätte des österreichischen Symphonikers, zählen zu den herausragenden Ereignissen seiner Zusammenarbeit mit dem Orchester. Neben Bruckner bestimmten der späte Haydn und Mozart, Beethoven, Schubert, Brahms, Strauss und Hindemith das Konzertrepertoire Eugen Jochums, der 1978 anlässlich seines 76. Geburtstags zum Ehrendirigenten der Bamberger Symphoniker ernannt wurde.

“Ich dirigiere doch ständig viele große Orchester in der Welt”, bekannte er liebevoll gegenüber “den Bambergern”, “komme aber jedenfalls immer wieder mit besonderer Freude und auch mit besonderer Erwartung zu Ihnen. Das Orchester hat wirklich eine ganz spezielle Begabung, sehr rasch zu erfassen, wie eine Phrase und auch ein ganzes Stück musiziert werden muss, um seine ihm eigene Existenz gut und einem weiten Hörerkreis einsichtig darzustellen. Dazu kommt eine außerordentlich positive Einstellung zum Musizieren an sich, und die Fähigkeit und Freude, sich in die künstlerische Vorstellung des Dirigenten tiefgehend einzufühlen.”

Am 11. November 1986, wenige Monate vor seinem Tod, gab Eugen Jochum in Budapest sein letztes Konzert mit den Bamberger Symphonikern. Auf dem Programm standen Bruckners Siebte sowie Haydns Symphonie Hob. I:98, die in diesen Tagen unter der Leitung von Giovanni Antonini nach über 25 Jahren erstmals wieder in den Konzerten der Bamberger Symphoniker zu hören ist.

(© Titelfoto: Reinhold Möller)

Schlagwörter //

Trackback von Ihrer Website.