Feb
07

Commedia dell’arte zum Hören: Webers Klarinettenkonzerte mit den Bamberger Symphonikern

Autor // Matthias Hain
Veröffentlicht in // Allgemein, Aufnahmen

Dass der große Theatraliker Carl Maria von Weber auch beim Komponieren von reiner Instrumentalmusik immer für die Bühne schrieb, und sei es nur für die “Bühne im Kopf”, wird besonders deutlich in seinen Werken für ein von ihm geschätztes und damals noch recht junges Instrument: die Klarinette. Seine zwei Konzerte und das Concertino für dieses Instrument gehören zum unverzichtbaren Repertoire eines jeden Klarinettisten – und sind der Prüfstein in puncto Virtuosität, Sanglichkeit und eben – Theatralik. Nun liegt eine neue Einspielung mit den Bamberger Symphonikern und Karl-Heinz Steffens unter der Leitung von Radoslaw Szulc vor.

Es muss eine ziemliche Sensation gewesen sein, als am 5. April 1811 Carl Maria von Webers Concertino für Klarinette in München uraufgeführt wurde. Wie anders wäre zu erklären, dass der bayerische König selbst, bewogen durch den unglaublichen Erfolg des Münchner Konzertes, dem Komponisten einen “Großauftrag” zu gleich mehreren neuen Werken erteilte. “Seit ich … das Concertino komponiert habe, ist das ganze Orchester des Teufels und will Concerte von mir haben”, schrieb Weber damals. Er zögerte nicht lange – zumal der Auftrag auch finanziell lukrativ war. Bereits im Mai 1811 vollendete er das erste Klarinettenkonzert, das zweite lag im Oktober des gleichen Jahres fertig vor.

Karl-Heinz Steffens (© Gert Kiermeyer)

Karl-Heinz Steffens (© Gert Kiermeyer)

Wer das Lebensgefühl der deutschen Romantik und Webers Opern liebt, für den sind seine Werke für Klarinette ein Quell theatralischer Inspiration. So urteilt auch die Kritik über die neue Einspielung mit den Bamberger Symphonikern und dem Klarinettisten Karl-Heinz Steffens. “Das Orchester … liefert eine Ausstattung, die vom Halbdunkel einer sommerlichen Mondnacht bis zur witzigen Straßenszene der schönsten Commedia dell’arte reicht”, ist auf “Klassik heute” zu lesen.

Karl-Heinz Steffens gilt als einer der weltbesten Klarinettisten. Er war jahrelang Soloklarinettist der Berliner Philharmoniker, ist Dirigent und Kammermusiker und steht seit 2007 als Generalmusikdirektor an der Spitze der Staatskapelle Halle. Radoslaw Szulc ist Geiger und Dirigent, Erster Konzertmeister des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, künstlerischer Leiter des Kammerorchesters des Bayerischen Rundfunks und Leiter seines eigenen Ensembles, der Camerata Europeana Stuttgart.

Zusammen mit den Bamberger Symphonikern haben sie eine Einspielung von Webers Konzerten für Klarinette vorgelegt, die “Theater für die Ohren” ist: “Im Finale des zweiten Konzerts rumpeln auf einmal Pantalone oder der Dottore herein, während sich die Klarinette wie Harlekin – oder besser noch: wie Pierrot – davon macht und dem aufgeblasenen Alten von weitem eine Nase dreht. Kaum zu glauben, dass diese Musik lächerliche zweihundert Jahre alt ist!” (Rasmus van Rijn, Klassik heute)

Die CD entstand in Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk und ist beim Label TUDOR erschienen.

Carl Maria von Weber
Konzerte für Klarinette und Orchester Nr. 1 und Nr. 2
Concertino für Klarinette und Orchester

Karl-Heinz Steffens | Klarinette
Radoslaw Szulc | Dirigent
Bamberger Symphoniker – Bayerische Staatsphilharmonie

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