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Jahreswechsel mit Pomp und Circumstance

Autor // Matthias Hain
Veröffentlicht in // Allgemein

Wenn die Engländer von “pomp and circumstance” reden, meinen sie zweierlei: Zum einen den berühmten Marsch von Edward Elgar, zu dessen Mittelteil das Publikum bei der “Last Night of the Proms” traditionell “Land of hope and glory” mitsingt. Zum anderen bedeutet es übersetzt nichts anderes als “Glanz und Gloria” – die richtige Stimmung für die Konzerte, mit denen die Bamberger Symphoniker am 31. Dezember die “Last Night” des Jahres feiern. Für britischen Witz sorgt dabei die Solistin, die zu Englands beliebtesten Sopranistinnen gehört, die mit Mozart und Richard Strauss jahrzehntelang überragende Erfolge gefeiert und nun ihr Faible für die englische Operette entdeckt hat: Dame Felicity Lott.

Dame Felicity Lott (© Trevor Leighton)

Dame Felicity Lott (© Trevor Leighton)

Typisch für die Opern von Gilbert & Sullivan sind ein turbulentes, oft sich verselbständigendes Geschehen, satirische Seitenhiebe auf die viktorianische Gesellschaft und – natürlich – der spezifisch englische Humor. So wird das Lied von der liebeskranken Meise in der Oper “The Mikado” ausgerechnet dem Oberscharfrichter in den Mund gelegt: Spitzenbeamter eines überorganisierten Staates, in dem das Gefühlsleben auf der Strecke zu bleiben droht. Die Oper “Ruddigore” persifliert die Vampir- und Geisterstücke der Zeit, und im Nightmare Song aus “Iolanthe” berichtet ein migräne- und alptraumgeplagter Lordkanzler in halsbrecherischer Diktion von seiner ruhelosen Nacht.

Ideal also für zwei Interpreten, die durch ihr Talent als Komiker für diese Werke wie geschaffen sind. Dame Felicity Lotts Auszeichnungen, Ehrenmitgliedschaften und Preise aufzuzählen, ist beinahe unmöglich. Sie ist an allen großen Opernhäusern der Welt und in den bedeutendsten Konzertsälen aufgetreten, mit einem Repertoire, das von Händel bis Stravinsky reicht. Im Zentrum ihrer Bühnenkarriere stehen die großen Strauss-, Mozart- und Britten-Partien, die sie an der New Yorker Metropolitan Opera, der Wiener Staatsoper, am Royal Opera House in Covent Garden oder an der Bayerischen Staatsoper verkörperte. An den Pariser Bühnen brillierte sie u.a. in den Titelrollen von Offenbachs “La belle Hélène” und “La Grande-Duchesse de Gérolstein”. Konzerte gab sie mit allen wichtigen Orchestern der Welt. 1996 wurde sie durch die Ernennung zur “Dame Commander of the British Empire” in den Adelsstand erhoben.

Ihr zur Seite steht einer der herausragenden Interpreten der Werke von Gilbert & Sullivan: Richard Suart. Nicht nur mit den Werken des Operetten-Duos, die in England Kultstatus genießen und deren Melodien dort jedes Kind pfeifen kann, begeistert der Bariton das Publikum an den großen Opernhäusern, sondern ebenso in Johann Strauß’ “Die Fledermaus”, Rossinis “La Cenerentola”, Puccinis “La Bohème”, Mozarts “Figaro” oder in Offenbachs “Orpheus in der Unterwelt”.

Dirigent der Silvesterkonzerte ist Jeffrey Tate. Bevor er sich für die Musik entschied, studierte er in Cambridge Medizin und praktizierte als Augenarzt in London. Seine künstlerische Laufbahn begann er 1970 im Stab des Royal Opera House Covent Garden. Als prägend erwies sich seine Mitwirkung am Bayreuther “Jahrhundert-Ring” als Assistent von Pierre Boulez. Seitdem arbeitet er mit den führenden Orchestern und Opernhäusern zusammen – von der Mailänder Scala bis zur New Yorker MET, von den Berliner Philharmonikern bis zum London Symphony Orchestra – und hat eine Vielzahl an CD-Einspielungen vorgelegt. Für seine Verdienste wurde er in Frankreich mit den Titeln eines “Chevalier de la Légion d’Honneur” und eines “Chevalier des Arts et des Lettres” ausgezeichnet, in Großbritannien wurde er zum “Commander of the British Empire” ernannt.

Samstag, 31.12.2011 | 16.00 und 19.00 Uhr
Konzerthalle Bamberg | Joseph-Keilberth-Saal

William Walton
Façade-Suiten Nr. 1 und Nr. 2 (Auszüge)

Arthur Sullivan
Auszüge aus “The Yeomen of the Guard”, “The Mikado”, “Iolanthe”, “Ruddigore” und “Patience”

Edward Elgar
Cockaigne-Ouvertüre

Jeffrey Tate | Dirigent
Dame Felicity Lott | Sopran
Richard Suart | Bariton

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