Sep
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“… wie eine Familie” – Frank Peter Zimmermann ist “artist in residence” 2011/2012

Autor // Torsten Blaich
Veröffentlicht in // Allgemein

Er sei “der Oistrach unserer Tage”, schreibt die Süddeutsche Zeitung, und ist in Bamberg seit bald drei Jahrzehnten ein treuer “Stammgast” und Liebling des Publikums: der Geiger Frank Peter Zimmermann. Nach Vadim Repin, Truls Mørk und Pierre-Laurent Aimard führt er die Reihe bedeutender Musiker als “artist in residence” in Bamberg fort und hat für seine Konzerte eine ebenso spannende wie anspruchsvolle Auswahl aus der Violinliteratur getroffen – aus Klassik, Romantik und Moderne. “Einen Künstler, der einen ähnlich breiten Repertoire-Horizont absteckt und ihn auch stilistisch adäquat auszuschreiten vermag, wird man so schnell nicht finden”, stellte BR-Klassik bewundernd über Frank Peter Zimmermann fest. Torsten Blaich hat den Künstler am Rande eines Konzerts in Hannover getroffen und feststellen dürfen, dass sich ein Weltklasse-Geiger auch beim Rasenmähen entspannen kann…

Lieber Herr Zimmermann, wie kamen Sie zur Musik?

Das ist relativ einfach zu beantworten: Meine Familie ist eine Musikerfamilie. Mein Großvater väterlicherseits war bereits Geiger  (er war verwandt mit Hans Pfitzner), nach dem Ersten Weltkrieg hatte er eine Stelle in Duisburg: in demselben Orchester, in dem auch mein Vater später Cellist war. In der Familie meiner Mutter gab es ebenfalls viele Musiker, sie selbst war Geigerin. Am Anfang wollten meine Eltern, dass ich Klavier spiele, aber ich wollte das nicht, da ich das zu abstrakt für mich empfand. Stattdessen habe ich schon sehr früh den Wunsch geäußert, Geiger zu werden, mit ungefähr drei, vier Jahren. Doch erst mit knapp sechs Jahren habe ich eine Geige bekommen, es gab zu dieser Zeit in ganz Duisburg keine Sechzehntel- oder Achtel-Geigen. Toll für mich war, dass ich mich von Anfang an keinem trockenen Üben ausgesetzt sah, sondern mit meinen Eltern früh bereits leichte Pleyel- oder Barock-Duos und Trio-Sonaten spielen durfte, ja wirklich in der Kammermusik mit Freude aufwachsen konnte. Ich erinnere mich, wie ich als Kind, während mein Vater sonntags morgens mit drei Kollegen Quartett spielte, unter dem Tisch saß, mit einem Spielzeugauto wahrscheinlich, und Kammermusik hörte – das bleibt ewig in einem.

Was hat die Violine Ihrer Ansicht nach, was andere Instrumente nicht haben?

Ich hatte schon als Kind dieses Gefühl, dass ich mit der Geige am besten ausdrücken kann, was ich empfinde. Die Geige kommt einem Sopran am nächsten, man kann Koloraturen spielen à la Paganini, man kann aber auch, mit der entsprechenden Geige, eine sehr dunkle Seite dieses Instruments aufzeigen, wie etwa im Sibelius-Konzert. Ich hatte früh meine spezifischen Idole, denen ich damals nachzueifern versucht habe: David Oistrach vor allem, dann Arthur Grumiaux, speziell bei Mozart, und Nathan Milstein.

Wenn Sie nicht Geige spielen würden, welches andere Instrument hätte Sie dann gereizt?

Es gab einmal einen Punkt, an dem ich nur noch Klaviermusik gehört habe. Das war, als ich fünfzehn, sechzehn Jahre alt war und bereits die gesamte Violinliteratur mindestens gehört wenn nicht schon sehr viel davon gespielt hatte. Zu dieser Zeit habe ich gedacht: Was die Pianisten für ein Repertoire haben! Bach, Beethoven oder Rachmaninoff, das ist ein Kosmos, den kann man in zehn Leben nicht durchschreiten. Aber ich glaube, dass ich für die Klaviermusik nicht genug “Kopfmensch” bin. Ich habe die Ehre gehabt, mit sehr vielen bedeutenden Pianisten zu arbeiten, und wenn ich da sehe, was das Gehirn eines Pianisten leisten muss – davor kann ich nur den Hut ziehen. Ich habe neulich einmal eine Studie gelesen, in der versucht wurde, menschliche Gehirnleistungen einzuordnen, und scheinbar ist Brahms’ zweites oder Rachmaninoffs drittes Klavierkonzert zu spielen eine größere Gehirnleistung als alles andere, was einen Menschen herausfordert, vom Piloten bis zum Chirurgen.

Frank Peter Zimmermann (© Franz Hamm)

Frank Peter Zimmermann (© Franz Hamm)

Sie sind in unzähligen Konzerten mit den Bamberger Symphonikern aufgetreten, sie gehören zu den treuesten “Stammgästen” des Orchesters. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihr Debüt mit „den Bambergern“?

Ich kenne die Bamberger Symphoniker wirklich schon sehr, sehr lange. Mein Debüt, das war im November 1980 im Rahmen einer ZDF-Fernsehsendung, die Gerd Albrecht damals immer machte. Im Regentenbau in Bad Kissingen haben wir die „Zigeunerweisen“ von Pablo de Sarasate produziert – da habe ich erstmals mit dem Orchester gespielt, das ist 31 Jahre her. Ich habe immer noch das Video davon (lacht).

Wie kam es denn zu diesem Kontakt zu dem Orchester?

Mein Vater hat wahrscheinlich einen Brief geschrieben an jemanden, nehme ich an. Er hat immer sehr viele Briefe geschrieben (lacht). Meine erste Fernsehsendung war 1977 eine Sendung mit Anneliese Rothenberger. Dann fing auch im ZDF eine Serie an, und irgendwie muss da jemand Kontakt mit dem ZDF aufgenommen haben. Ich bin dann eingeladen worden, und nach dem Auftritt gab es auch noch ein Interview.

Ihr nächster Auftritt mit den Bamberger Symphonikern folgte 1984, sie spielten unter Gerd Albrecht das Mendelssohn-Konzert in Bamberg und auf Deutschland-Tournee, zwölf Auftritte in 13 Tagen.

Ja, von Hamburg und Wilhelmshaven bis nach Kassel und Stuttgart. Das war für mich die erste richtig große Tournee, so etwas hatte ich noch nie gemacht, jeden Tag im Auto zu sitzen. Ich hatte das große Glück, dass Gerd Albrecht mich in seinem Privatauto überallhin mitgenommen hat und ich damit ganz praktisch von Tür zu Tür und Hotel zu Hotel gebracht wurde. Dennoch war das wahnsinnig anstrengend, aber es hat mich natürlich sehr geprägt. Zwei, drei Jahre später stand meine erste US-Tournee an, und wenn man vorher schon einmal so etwas gemacht hat, geht man ganz anders mit solchen Dingen um.

Mehr als 70 Konzerte sind es bereits, die Sie mit den Bamberger Symphonikern gegeben haben. In dieser Saison, in der Sie “artist-in-residence” in Bamberg sind, kommt eine ganze Anzahl weiterer Auftritte hinzu.

Ja, wir schaffen nicht ganz die 100, aber wir nähern uns stetig. Das ist wie mit den Nationalspielern und ihren Länderspielen (lacht)!

Was schätzen Sie an den Bamberger Symphonikern und auch an Bamberg selbst?

Beides gehört natürlich zusammen. Die Begegnung mit dem Orchester, das ist vom ersten Moment an eine Freundschaft gewesen – nicht nur, dass wir uns musikalisch so wunderbar verstanden haben. Ich erinnere mich sehr gerne an die vielen Konzerte im Dominikanerbau unter Horst Stein, eine wirklich einmalige Persönlichkeit. Später gab es dann die unzähligen Konzerte auf Tourneen, in Japan waren wir, auch in Albanien, das war wirklich ein Abenteuer und schweißt einen mit den Musikern zusammen. Das Orchester ist ganz speziell, ja diese Stadt ist wie eine Enklave, eine wunderschöne Enklave. Man hat immer das Gefühl, wie zu einer Familie heimzukommen. Und jetzt mit dem neuen Saal und der tollen künstlerischen Entwicklung, die das Orchester unter Jonathan Nott durchlaufen hat – nach Bamberg zu reisen ist jedes Mal eine riesige Freude. Ich hatte 2006 das große Vergnügen, den Zyklus aller Mozart-Violinkonzerte alleine mit dem Orchester zu bestreiten: Ein solches Projekt nehme ich mir nur mit Orchestern vor, denen ich sehr eng verbunden bin.

Haben Ihnen Ihre weltweiten Verpflichtungen auch einmal die Zeit gelassen, Bamberg selbst zu erkunden?

Oh ja, ich kenne Bamberg bereits seit den 1970er Jahren. Mein erster wichtiger Geigenlehrer, Valery Gradow, wohnte in jener Zeit in der Stadt. Schon damals habe ich einige Musiker des Orchesters kennengelernt. Das muss 1976 gewesen sein, mein Vater spielte beim “Jahrhundert-Ring” in Bayreuth mit und wir sind nach Bamberg gefahren, weil ich dort eine Unterrichtsstunde hatte. Später war ich dann ja so oft in Bamberg. Es gibt für mich nichts Schöneres als durch diese Stadt zu spazieren, zu jeder Jahreszeit, ob es nun stürmt oder schneit oder eine Gluthitze herrscht wie beim letzten Mal im Juli dieses Jahres, als ich mit Herbert Blomstedt aufgetreten bin – wir waren viel in Eiscafés. Es ist schon etwas Besonderes, in Bamberg zu sein, und auch den Menschenschlag mag ich sehr gern.

Gibt es ein Konzert, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

(überlegt) Das ist schwer zu sagen, es gibt so viele Erinnerungen. Eine ganze Reihe von Konzerten mit Horst Stein wird mir ewig in Erinnerung bleiben. 1987 sind wir auf eine Schweiz-Tournee mit dem Dvořák-Konzert gegangen und haben in diesen wunderbaren alten Sälen gespielt, wie sie in der Schweiz zu finden sind. Ich bin mit Horst Stein im Auto gereist. Er stammte ja aus Wuppertal – meine Mutter stammte aus der Nähe  – und ich kannte den Dialekt: Wir haben nur Witze erzählt auf diesen Fahrten (lacht)! Auch das Konzert in Tirana war gewiss eine besondere Erfahrung. Sehr gerne blicke ich auf die Auftritte unter Horst Stein in China und Taipeh mit dem Brahms-Konzert zurück. Immer wieder, wenn ich heute in Taipeh oder in China gastiere, erinnere ich mich an diese tollen Ereignisse. Mit diesem Orchester zu arbeiten ist eine ganz eigene Konstellation, es hat, wie ich es eben sagte, für mich etwas Familiäres, trotzdem ist es sofort auf einem so beeindruckenden künstlerischen Niveau, dabei entspannt und professionell.

Frank Peter Zimmermanns Stradivari aus dem Jahre 1711

Frank Peter Zimmermanns Stradivari aus dem Jahre 1711

Sie spielen eine Stradivari von 1711, die vormals dem großen Fritz Kreisler gehörte. Wie kamen Sie eigentlich zu diesem Instrument und was zeichnet diese Geige aus?

Meine erste “Strad” bekam ich mit 20 Jahren. Ich habe dann eine noch bessere Geige gesucht und wurde 1989 in der berühmten “Maria Theresia”, einer Stradivari von Nathan Milstein, fündig, die ganz offiziell von ihm zum Verkauf angeboten wurde. Nach ein paar Wochen aber hieß es plötzlich, dass die Familie das Instrument nicht verkaufen möchte. Ich musste die Geige zurückgeben: Das war das schlimmste Ereignis meiner Karriere. Danach habe ich lange gesucht. Ich hatte wunderbare Instrumente, aber nicht auf diesem wahnsinnigen Level, bis ich 2001 diese Geige gefunden habe, die Kreisler gehört hatte. Seither habe ich mich, glaube ich, künstlerisch noch einmal weiterentwickelt. Diese ganz bedeutenden Instrumente von Stradivari verfeinern die Musiker. Man kann nicht sagen: “Ich spiele das jetzt auf diese Weise”, sondern es ist die Geige, die einem den Weg zeigt.

Sie haben sich die Violinkonzerte von Beethoven, Dvořák und Stravinsky für Ihre Residenz in Bamberg ausgesucht. Was reizt Sie gerade an diesen Werken?

Den Beethoven haben wir sehr oft gemeinsam aufgeführt, das ist der “Mount Everest” der Geigenstücke. Das Dvořák-Konzert habe ich sehr lange nicht gespielt, vor drei Jahren zuletzt, und wollte es wieder öfters spielen. Als das Angebot der Residenz kam, passte das wunderbar, gerade auch nach Bamberg, zumal ich ja um die historischen Wurzeln des Orchesters in Prag weiß. Auch schätze ich Manfred Honeck, der das Werk in Bamberg dirigieren wird, sehr, und dies nicht nur als Dirigenten, sondern auch als Musikanten, als großen Musiker. Das Stravinsky-Konzert ist natürlich ein Klassiker des 20. Jahrhunderts. Ich habe mich einmal mit György Ligeti über diese Klassiker unterhalten, und er hat dieses Stück als sein Lieblingswerk genannt, nicht Berg und nicht Bartóks zweites Violinkonzert. Der Stravinsky ist ein unglaublich geistreiches Stück, das ich mit 20 Jahren über alles geliebt und oft gespielt habe, es gehört zu den Werken, zu denen ich gerne zurückkomme. Und mit Jonathan Nott als einem so präzisen Dirigenten wird das ganz sicher ein großartiges Erlebnis.

Wie würden Sie Ihr Musikideal beschreiben, worauf kommt es Ihnen an, wenn Sie das Konzertpodium betreten?

Wichtig ist erst einmal, dass man so gut geprobt hat, dass ein Stück auf der Bühne perfekt abläuft, aber die Spontaneität bleibt. Anders gesagt: Ein Auftritt sollte so perfekt ablaufen wie ein Konzert von Michelangeli, aber so spontan sein wie ein Konzert von Carlos Kleiber. Meine Intention ist, ein Beethoven-Streichquartett genauso authentisch zu spielen wie etwas Romantisches oder ein Stück von Ligeti. Ich möchte mich wie ein Chamäleon zwischen den Stilen bewegen – und trotzdem dabei versuchen, Frank Peter Zimmermann zu sein.

Gibt es aus Ihrer Sicht ein perfektes Werk?

Die Bach-Solosonaten, das sind perfekte Werke, auch ein Mozart-Divertimento für Streichtrio ist ein perfektes Stück. Nicht vergessen werden aber darf die Konstellation, die um die Aufführung eines Werkes herum herrscht: Es gibt noch den Saal, der manchmal nicht so perfekt ist, auch einmal ein Orchester, das vielleicht nicht so konzentriert oder optimal vorbereitet ist. Ich spiele nach wie vor gut 80% meiner Konzerte mit Orchester, es wird aber immer schwieriger für mich, mit gewissen Einschränkungen auf der Bühne zu leben, aufgrund des Anspruches, den ich an mich selbst stelle. Die Aufführungen des Berg-Konzertes vor kurzem mit Herbert Blomstedt in Bamberg etwa, das war fantastisch, er hat sich auch so viel Zeit genommen. Was mich im Moment auch sehr ausfüllt, sind meine Konzerte mit dem Streichtrio, das ich vor fünf Jahren gegründet habe. Als Geiger in einer Gruppe von Streichern zu spielen, Streichquartett etwa, das wäre für mich schon das Größte. Das ist das Wahre, wenn es zum letzten Schwur kommt (lacht)…

Wie beurteilen und sehen Sie die Rolle der klassischen Musik in unserer Zeit, unserer Gesellschaft?

Ich habe meine großen Sorgen, wenn im Mutterland der Musik schon zwei Generationen an Schülern nur bedingt oder gar nicht mitMusikunterricht in Kontakt gekommen sind. Ich sehe das, weil ich ja auch selbst Kinder habe, die in die Schule gehen. Das ist natürlich je nach Region ein bisschen besser oder schlechter. Aber ich habe das Gefühl, dass wir uns immer weiter ins Museale bewegen, dass wir auch zunehmend Gegenwind bekommen vom Staat, der immer weniger Leute hat, die sich für diese Art von Kunst interessieren und dann vielleicht einmal sagen: “Was sollen denn diese ganzen Subventionen?” Dass es immer Menschen geben wird, die sich ein spätes Beethoven-Quartett anhören wollen, davon bin ich absolut überzeugt. Das Problem ist, dass diese etwas breitere Ausbildung mit Musik und Kunst in den Schulen viele Jahrzehnte versäumt worden ist, und diesen Preis zahlen wir jetzt.

Worin sehen Sie denn den positiven Effekt von Musik?

Ich kann nur meine eigene Erfahrung sprechen lassen: In den Familien, die ich kenne, in denen die Kinder mit klassischer Musik in Berührung sind, weil sie vielleicht Klavier oder Flöte spielen, in diesen Familien gehen die Kinder anders miteinander um, als wenn sie nur vor dem Computer oder dem Bildschirm sitzen würden. Die Musik ist doch Teil unserer Kultur, unserer Geschichte, mit diesen großen Komponisten! Ich kann da nur meinen Hut ziehen, wenn ambitionierte Lehrer, die man immer wieder sieht, mit ihren Schulklassen die Proben besuchen und ihre Schüler vorbereitet haben. Wenn von den 30 Schülern dann nur sieben, sechs oder vier tatsächlich den Fokus haben, sich einen Satz von Mozart anzuhören – das ist schon lohnenswert. Das Problem ist doch, dass man heutzutage immer abgelenkt ist durch irgendwelche Dinge, und das tut der Musik auf Dauer nichts Gutes.

Auch Ihr Sohn Serge Zimmermann ist mittlerweile mehrfach mit den Bamberger Symphonikern aufgetreten. Gibt es eigentlich Tipps vom Vater für den Sohn?

Natürlich, und wahrscheinlich viel zu viele… Aber er ist jetzt 20 Jahre alt und geht doch sehr gewissenhaft seinen eigenen Weg, was ganz toll ist angesichts dieses “schrecklichen” Vaters (lacht). Wir sind immer gut miteinander ausgekommen, ich bin immer mehr Vater gewesen als Lehrer. Aber es ist natürlich sehr schwer für ihn, unter diesen Bedingungen eine Karriere zu beginnen.

Frank Peter Zimmermann (© Franz Hamm)

Frank Peter Zimmermann (© Franz Hamm)

Was macht eigentlich Frank Peter Zimmermann, wenn er sich einmal nicht mit Musik beschäftigt?

Ich bin immer wahnsinnig gern zu Hause bei meiner Familie, ich habe ja auch noch einen kleinen Sohn. Wir fahren sehr oft Fahrrad, ich bin auch sehr gerne im Garten, was ich als unglaubliche Entspannung empfinde: den Rasen zu mähen, manchmal auch eine Zigarre anzumachen.

Sie rauchen Zigarre beim Rasenmähen?

Ja, gerade gestern wieder (lacht). Ich rauche im Haus so gut wie nie, und wenn ich auf Reisen bin auch nicht, ich habe das Rauchen eigentlich vollkommen aufgegeben. Aber im Sommer, wenn es schön ist und wenn der Rasen so wuchert, dann mache ich mir eine schöne Cohiba an… Nun ja, womit beschäftige ich mich noch gerne? Meine Frau und ich sind über die Jahre passionierte Gourmets und Weinkenner geworden. Und wenn ich auf Tournee bin, lese ich viel, zuletzt Witold Gombrowicz oder Alberto Moravia. Das ist natürlich auf Reisen, im Flugzeug, nicht so einfach… Ich schaue auch wahnsinnig gerne DVDs. Ich sammle besondere Filme, alte Filme – von Antonioni, Fellini, Kubrick sowieso. Das ist eine große Leidenschaft. A propos: Früher habe ich leidenschaftlich gerne Fußball gespielt, aber leider war dann damit Schluss, wegen der Gefahr für die Hände. Aber ich schaue Sport sehr gerne.

Sind Sie – als jemand, der von dort stammt – Duisburg-Fan?

Nein, die Duisburger mögen mir ewig verzeihen, aber ich war immer Mönchengladbach-Fan. In den 1970er Jahren, als ich so sieben, acht Jahre alt war, hatte Gladbach ja wirklich eine Wahnsinns-Elf – das war immer mein Team.

Gestatten Sie mir zum Schluss noch eine Proust’sche Frage: Welche Persönlichkeiten aus der Geschichte hätten Sie gerne einmal persönlich kennengelernt und wie hätten Sie sie in Ihrem Hause bekocht?

Ich hätte natürlich die drei Großen – Bach, Mozart, Beethoven – gerne nur einmal für zwei Sekunden gesehen. Ich weiß nicht, ob ich etwas Besonderes für sie gekocht hätte, sie wären wahrscheinlich alle mit Kartoffeln sehr zufrieden gewesen (lacht). In dieser Hinsicht hätte ich dann wohl eher Claude Debussy einladen sollen und eine gebratene Gänseleber mit karamellisierten Apfelspalten zubereitet, mit einem Sauternes dazu… Wen hätte ich sonst noch eingeladen? Vielleicht auch einen Paganini – und für ihn eine “insalata nizzarda”? In letzter Instanz wäre es wohl auf Mozart hinausgelaufen!

Lieber Herr Zimmermann, ich bedanke mich für dieses Gespräch.

Die Konzerte mit Frank Peter Zimmerman in der Spielzeit 2011/2012:

Ludwig van Beethoven: Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 61

23.9.2011 Erlangen, 24.9/1.10..2011 Bamberg, 26./27.9.2011 Graz, 29.9.2011 Bayreuth, 30.9.2011 Schweinfurt

Antonín Dvořák: Konzert für Violine und Orchester a-Moll op. 53

3.3.2012 Rosenheim, 4.3.2012 Bamberg

Igor Stravinsky: Konzert für Violine und Orchester D-Dur

12./13.5.2012 Bamberg

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