Sep
06

“Thrilling performance” – Zu Gast beim Edinburgh International Festival

Autor // Matthias Hain
Veröffentlicht in // Ainars Rubikis, Allgemein, Auf Tour, Dirigenten, Jonathan Nott

Zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre gastierten die Bamberger Symphoniker beim Edinburgh International Festival. Als “orchestra in residence” spielten sie in der schottischen Haupstadt drei Konzerte, darunter das offizielle Abschlusskonzert des Festivals unter der Leitung von Chefdirigent Jonathan Nott. In einem Late-Night-Concert gab der junge lettische Dirigent Ainars Rubikis, der im März 2010 als Gewinner aus dem dritten Bamberger Symphoniker Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb hervorgegangen war, sein mit Spannung erwartetes Festival-Debüt.

Ainars Rubikis bei der Probe mit dem Kammerensemble (© Matthias Hain)

Ainars Rubikis bei der Probe mit dem Kammerensemble (© Matthias Hain)

Eines der Pflichtstücke, mit dem Ainars Rubikis beim Dirigentenwettbewerb in Bamberg die Jury überzeugte, war Gustav Mahlers Vierte Symphonie, ein Werk, mit dem er sich – in der Fassung für Kammerorchester von Erwin Stein – auch beim Festival in Edinburgh präsentierte. Die Solistin war Yeree Suh. “With Latvian conductor Ainars Rubikis, the polished players of the Bamberg Symphony gave sharp definition to the score”, schrieb tags darauf der “Scotsman” und lobte “the group’s well-blended sound”. Ein gelungener Auftakt also der Residency der Bayerischen Staatsphilharmonie und ein großer Erfolg für Ainars Rubikis.

© Matthias Hain

© Matthias Hain

Das Edinburgh International Festival ist kein ausschließliches Musikfestival, sondern hat es sich  seit seiner Gründung 1947 zur Aufgabe gemacht, nicht nur alljährlich die größten Künstler ihres Fachs zu präsentieren, sondern diese in einen übergeordneten und alle Künste umfassenden Zusammenhang zu stellen. Oper, Tanz, Theater, Musik, Bildende Künste sowie Symposien und Workshops bilden eine “Einheit in Vielfalt”, die so wohl an keinem anderen Ort zu finden ist. Den thematischen Schwerpunkt bildete dieses Jahr die Kunst Asiens, die über die Jahrhunderte hinweg die Musik, Literatur, das Theater und die bildende Kunst des Abendlandes geprägt hat.

Jonathan Nott und Pierre-Laurent Aimard bei der Probe (© Matthias Hain)

Jonathan Nott und Pierre-Laurent Aimard bei der Probe (© Matthias Hain)

Folgerichtig umfassten auch die Konzertprogramme der Bamberger Symphoniker Werke, die sich mit diesem Kosmos auseinandersetzen. In “Chronochromie” und “Sept Haikai” verarbeitete Olivier Messiaen Hindu-Rhythmen und japanische Musik, Farben und Vogelsang, von deren Faszination der Komponist entscheidend geprägt wurde. Das Programm des ersten Konzertes mit großem Orchester unter der Leitung von Chefdirigent Jonathan Nott wurde komplettiert durch Béla Bartóks “Der wunderbare Mandarin”.

Solist in Messiaens “Sept Haikai” war Pierre-Laurent Aimard, mit dem die Bayerische Staatsphilharmonie und Jonathan Nott bereits häufig konzertierten und der vor einigen Jahren “artist in residence” des Orchesters war. “Piano solos superbly played”, lobte die Presse und schrieb weiter: “Nott skilfully kept all the forces on track [...] in this highly energetic and thrilling performance.” Und in “The Guardian” war zu lesen: “Jonathan Nott’s partnership with the Bamberg Symphony has proved so effective in the 19th-century symphonic repertory, it’s sometimes forgotten that Nott is also an experienced interpreter of 20th-century and contemporary music [...]. The first of the Bamberg’s Edinburgh concerts was a reminder of all that.”

Das Festival-Abschlusskonzert im Edinburghs Usher Hall am folgenden Abend stand ganz im Zeichen von Maurice Ravel, dessen Werke ebenfalls ohne die Einflüsse anderer Kulturen und Musikstile kaum denkbar sind. Nochmals war Pierre-Laurent Aimard als Solist zu erleben: im Klavierkonzert für die linke Hand. Neben den “Valses nobles et sentimentales” stand die komplette Ballettmusik zu “Daphnis et Chloe” auf dem Program – fulminanter Ausklang einer erfolgreichen Gastspielreise.

Probe zu Daphnis et Chloe mit dem Edinburgh Festival Chorus (© Matthias Hain)

Probe zu Daphnis et Chloe mit dem Edinburgh Festival Chorus (© Matthias Hain)

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