Mai
02

Der Fliegende Holländer mit Wäscheklammern

Autor // Reinhold Möller
Veröffentlicht in // Allgemein, Auf Tour

Sao Paulo 1.5.2011, Abfahrt um 8:30 Uhr zu unserem ersten Konzert auf dieser Tournee – eine Zeit, die sich dank Zeitumstellung nicht so früh anfühlt. Im Ibirapuera Park von Sao Paulo tummeln sich schon Jogger und Spaziergänger. Ansonsten ist Sao Paulo an diesem Sonn- und Feiertag ähnlich verschlafen wie jede andere Großstadt auch. Es ist windig und ein Gewitter liegt in der Luft. Der brasilianische Wettergott scheint offensichtlich unser Programm zu kennen und einen Hang zur Theatralik zu haben: Denn passender könnte das Ambiente zur Ouvertüre von Richard Wagners “Fliegendem Holländer” nicht sein…

Bei der Anspielprobe vergegenwärtigt sich jeder Musiker noch einmal die Reihenfolge der Werke, und die Noten werden in der zu spielenden Reihenfolge auf dem Pult sortiert, während die Windböen zunehmen. Da tragen dann auch die zur Fixierung der Notenblätter bereitgelegten Wäscheklammern nicht wirklich zur Entspannung bei…

Zu Beginn der Konzertes sind alle Schattenplätze vor der Freilichtbühne belegt. Leider frischt nun auch der Wind auf, so dass Jonathan Nott alle Hände voll zu tun hat, neben dem Orchester auch seine Partituren unter Kontrolle zu halten. Andererseits hat der Wind auch sein Gutes: Dem Orchester wurde gestattet, bei den erhöhten Temperaturen ohne Frackjacke zu spielen – für den Chefdirigenten gelten solche Erleichterungen nicht.

Auf dem umfangreichen Programm stehen Schostakowitschs “Festliche Ouvertüre”, Richard Wagners “Holländer”-Ouvertüre und das Vorspiel zum ersten Akt des “Lohengrin”, zwei “Pomp-and-Circumstance”-Märsche von Edward Elgar und Auszüge aus der Filmmusik zu “Star Wars” von John Williams. Das Publikum applaudiert nach jedem Stück mit gesteigerter Begeisterung, so dass wir als erste Zugabe gleich den “Imperial March” aus Star Wars spielen, gefolgt vom Vorspiel zum dritten Akt des “Lohengrin”, bevor wir – da uns das Publikum nicht entlässt – das Konzert mit “Tybalts Tod” aus Romeo und Julia von Sergej Prokofieff beenden. Eigentlich könnte es immer so weitergehen, denn unsere Musik hat mittlerweile immer mehr Publikum aus dem Park angelockt.

Und es zeigt sich: Auch der Wettergott scheint ein Musikfreund zu sein. Denn während des Konzertes fiel kein Tropfen. Erst als es zu Ende ist, entlädt sich aus finsteren Wolken zur Mittagszeit ein kräftiges Gewitter…

Im Ibirapuera-Park in Sao Paulo (© Reinhold Möller)

Im Ibirapuera-Park in Sao Paulo (© Reinhold Möller)

Schlagwörter // ,

Trackback von Ihrer Website.