Mai
04

Auch Instrumente bestehen aus Einzelteilen…

Autor // Reinhold Möller
Veröffentlicht in // Allgemein, Auf Tour

Sao Paulo, 3. Mai: Tagsüber bleibt etwas Zeit zur Entspannung. Im Vergleich zu anderen Städten bietet die 18 Millionen Einwohner zählende Metropole mit dem Kontrast aus schmalen Wohntürmen und eingeschossigen Jugendstilvillen außer dem Kunstmuseum MASP nicht viel Reizvolles. Wer jedoch einkaufen möchte, kommt hier voll auf seine Kosten: das (Konsum-)Leben pulsiert wie in New York.

© Reinhold Möller

© Reinhold Möller

Am Abend dann das dritte Konzert, diesmal im freien Verkauf und nicht ausabonniert wie am Vortag. Till Fellner spielt Mozarts Klavierkonzert A-Dur Nr. 23 – und wird natürlich erst wieder nach einer Zugabe vom begeisterten Publikum entlassen.

In der anschließenden vierten Symphonie von Anton Bruckner, der “Romantischen”, passiert vor Beginn des dritten Satzes ein ganz unromantisches Malheur und sorgt für eine Schrecksekunde: Einem der Trompeter fällt ein Stimmzug seines Instrumentes herunter – also jenes Bauteil, das zur Änderung der Tonhöhe unerlässlich ist. Eigentlich kein Problem – nur sitzen wir hier auf Hub-Podesten mit einem Abstand von ca. einem halben Meter zu den Kollegen vor uns. Und natürlich fällt der Stimmzug nicht dorthin, wo er leicht erreichbar wäre. Nein, er purzelt selbstverständlich bis weit unter das vordere Podest. Also bleibt dem Kollegen nichts anders übrig, als in die Lücke zu steigen und mit langem Arm das Teil hervorzuangeln. Wenn es nicht erreichbar gewesen wäre, hätte von hinter der Bühne ein Ersatzinstrument geholt werden müssen.

Am Ende ist der Schreck jedoch vergessen, und das Publikum spendet uns wieder frenetisch Beifall und Bravos. Die Säulenhalle des umgebauten Busbahnhofs kann die Begeisterung kaum fassen. Nach Richard Wagners Vorspiel zur Oper “Lohengrin” als Zugabe ist der Abend eine halbe Stunde vor Mitternacht zu Ende.

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