Jan
05

Aimez-vous Brahms?

Autor // Matthias Hain
Veröffentlicht in // Allgemein, Auf Tour in China

Nach einem freien Vor- und Nachmittag in Peking hieß es am Abend noch ein letztes Mal Bühne frei für Beethoven, Mozart und Brahms. Während das tragische Schicksal des Coriolanus die Chinesen offensichtlich nicht besonders berührt, entfalten Mozarts g-moll-Symphonie und Brahms’ Vierte Symphonie auch in Peking ihre überwältigende Wirkung.

Jonathan Nott (© Matthias Hain)

Ein glücklicher Chefdirigent (© Matthias Hain)

Beim Anfang von Mozarts Symphonie Nr. 40 geht in Peking wie schon in Shenzhen ein Raunen durchs Publikum: Offenbar gehört der berühmte Anfang auch in China zum Allgemeingut oder steht im Musikunterricht auf dem Lehrplan. Jedenfalls zeigen die Reaktionen: Das (er)kennt man. Und wenn auch Gleiches bei Brahms zunächst nicht geschieht, so sorgt der fulminante Schluss doch für einen ebenso fulminanten Beifallsausbruch, unterstützt durch laute Bravo-Rufe, die Jonathan Nott immer wieder zurück aufs Podium holen, bis sich das Publikum auch hier die verdienten Zugaben erklatscht. Noch einmal Mozart (Figaro), Dvorak und schließlich – als Dankeschön für ein aufmerksames Publikum und Referenz an das Land des Lächelns, in dem wir Gast sein durften – noch einmal “Jasmin”, das jedem Chinesen bekannte Volkslied. Und auch hier die gleiche Reaktion wie in Shenzhen: Beifall und glücklicher Jubel, in dem die ersten Takte untergehen. Danach dann erwartungsgemäß ein Orkan aus Händeklatschen und Bravos.

Maos Mausoleum (© Matthias Hain)

Wenn das der Parteivorsitzende geahnt hätte: Maos Mausoleum auf dem Platz des Himmlischen Friedens mit einer touristischen Hinweistafel - auf Englisch! (© Matthias Hain)

Die freien Stunden vor dem Konzert – eine Probe war hierzu nicht mehr nötig – nutzten viele, um sich ein wenig die Stadt anzusehen. Was bei der überwältigenden Größe natürlich nur in winzigen Ausschnitten möglich war. Denn wie die Ausmaße des ganzen Landes unglaublich sind, so sind es auch die Distanzen in den Städten. Um beispielsweise den Platz des Himmlischen Friedens – den größten Platz der Welt – einmal gemächlich zu umrunden, braucht man gut und gerne eine halbe Stunde. Und die Verbotene Stadt auch nur einmal der Länge nach zu durchwandern, ohne stehen zu bleiben und die unvorstellbaren architektonischen Wunder dort zu bestaunen, dauert mindestens eine Stunde. Von den schier endlos sich hinziehenden Avenuen ganz zu schweigen…

Torhaus mit Mao-Bildnis (© Matthias Hain)

Ein Torhaus am Platz des Himmlischen Friedens mit einem Bildnis Maos. Dahinter beginnt die Verbotene Stadt (© Matthias Hain)

So endet dieser letzte Konzerttag in China mit vielfältigen Eindrücken der Stadt und mit der Erinnerung an ein jubelndes, glückliches und begeisterungsfähiges Publikum. Morgen geht es in aller Frühe zum Flughafen. Dann heißt es Abschied nehmen von Peking, von China und von einer kurzen, aber ereignis- und erfolgreichen Gastspielreise.

Torhaus am Platz des Himmlischen Friedens (© Matthias Hain)

Torhaus am Platz des Himmlischen Friedens (© Matthias Hain)

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